Von der Drillingsmutter zum D-Promi

„Sind das DREI? … WAAAS?!? DRILLINGE?!?“
Fragen und Antworten auf der Strasse. Was man sagt und denkt, sich aber nicht zu sagen traut.

Als Familie mit Drillingen erreicht man in der Umgebung, in der man lebt, Promi-Status, genauer gesagt Drillingspromi-Status. Als frischgebackener D-Promi wird man von allen möglichen aber auch unmöglichen Leuten angesprochen. Meist sind die Gespräche herzlich, die Fragen mitfühlend, die Leute interessiert und wohlwollend. Manchmal aber sind die Fragen auch schlicht dreist und frech.

Mit der Zeit und etwas Übung kann man die unterschiedlichen Typen bereits auf Distanz identifizieren:

1. Die freudig Interessierten:
Der Blick springt von Kind zu Kind, gefolgt von einem Lächeln. Das sind diejenigen, mit denen man gerne ein kurzes Schwätzchen hält.

2. Die Erstaunten:
Der Blick springt ebenfalls von Kind zu Kind, der Mund öffnet sich und bleibt in dieser Position. Diese Gattung kann bereits etwas anstrengender sein, und gilt es je nach eigner Verfassung (Anzahl Schlafstunden der vorangegangen Nacht, Weinerlichkeit der Kinder, allgemeine Laune) anzusteuern oder zu umschiffen.

3. Die Dreisten:
Die Augen weit aufgerissen, wird man angestarrt, als würde man drei rosarote Elefanten im Tütü durch die Gegend karren. Sie bauen sich bereits mitten im Weg auf und einmal in deren Fänge geraten, ist es wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt: invasiv und langwierig. Schafft man rechtzeitig ein Ausweichmanöver – selbstverständlich freundlich lächelnd oder auch stoisch vor sich her blickend – hört man das Knarren der Kopfdrehung und spürt den Blick im Nacken noch bis zur nächsten Strassenecke. Bloss nicht umdrehen!

4. Die Gesprächsbedürftigen:
Sie sind ein Mix aus den freudig Interessierten und den Erstaunten, vereinzelt gehören sie den Dreisten an. Sie sind etwas schwieriger zu erkennen, da sie anfänglich eher zurückhaltender sind. Einmal im Gespräch, bedarf dieses aber einiger Zeit, und es ist von Vorteil, wenn die Kinder schlafen. Sie können (wie die freudig Interessierten) ganz herzerwärmend, aber auch etwas anstrengend sein. Mausern sie sich plötzlich zu den Dreisten, Pech gehabt!

Also Augen auf und immer schön auf die Zeichen achten!

Hier ein typischer Gesprächsverlauf mit Gesprächspartner Typ „Erstaunt“ bis „Dreist“ (Ausweichmanöver leider zu spät eingeleitet):

Frage (Augen weit aufgerissen): „Sind das DREI?“
Antwort: „Ja, es sind drei.“
(Gedachte Antwort: „Drei was? Äpfel, Birnen, Melonen? Natürlich sind es drei! Bravo, gut gezählt!“)

Frage (Augen weiterhin weit offen): „WAAAS?!? DRILLINGE?!? „
Antwort: „Ja, es sind Drillinge.“
(Gedachte Antwort: „Korrekt.“ Oder auch: „Nein, eigentlich sind es Vierlinge, aber das Vierte putz gerade das Haus und kocht Abendessen.“)

Frage: „Das gibt wohl viel zu tun, oder?“
Antwort: „Ähm, ja ja. Das gibt sehr viel zu tun.“
(Gedachte Antwort: „Neeeein, ist alles voll easy. In den fünf Minuten, wo mal alle schlafen, und es nichts vorzubereiten, nichts abzuspülen, keine Wäsche zu waschen, zu sortieren, aufzuhängen, zusammenzufalten, nichts aufzuräumen, nichts zu putzen, nichts zu kochen, keine neuen Windeln oder Babyartikel zu bestellen gibt,…da langweile ich mich fuuurchtbar. …Wollen Sie etwas mit mir unternehmen? Ui nein, bloss nicht!“)

Frage: „Da kriegen Sie bestimmt Hilfe, oder?“
Antwort: „Ja, ohne meinen Mann würde ich das nicht schaffen.“
(Gedachte Antwort: „Sie meinen bestimmt, ich bekomme umsonst jemanden, der mir hilft! Mmh, jawohl.“)

Frage: „Toll. Aber ich meine, da bekommen Sie ja sicher jemanden, der Ihnen hilft?“
Antwort: „Sie meinem umsonst? Nein, das muss man selber machen.“
(Gedachte Antwort: „Hab‘ schon gewusst, was Sie meinen. Ja ja, klar. Die Nanny ist umsonst, Putzhilfe, persönliche Masseuse ALL INCLUSIVE. Fehlt nur noch das Klubarmbändchen und die Animateure am Pool. Frisör, Maniküre und Pedicure hätten sie auch noch gerne? Kein Problem.“

Frage: „Ach so…“ (Themenwechsel) „Haben Sie denn Zwillinge oder Drillinge in der Familie?“
Antwort: „Nein, eigentlich nicht, ist Zufall.“
(Gedachte Antwort: „Kannst mich ja auch gleich fragen, ob ich künstlich befruchtet habe! Nein, wir haben keine Mehrlinge in der Familie und trotzdem sind sie natürlich entstanden.“)

Frage: „Ja, NATÜRLICH also?“
Antwort: „Ja.“
(Gedachte Antwort: „Nein aus Plastik. Geht’s noch? So was fragt man nicht. Und selbst wenn wir Hilfe gebraucht hätten, wäre das ja wohl nicht schlimm.“)

*
Anmerkung: Wenn einem fremde Menschen nach der „Natürlichkeit“ der eigenen Kinder fragen, ist das wirklich sehr befremden. Eine bisschen Neugierde ist ja verständlich, doch spürt man manchmal eine gewisse Geringschätzung heraus, wenn Babys mittels künstlicher Unterstützung gezeugt worden sind. Im Sinne von „Ja, dann ist es ja nichts Besonderes.“ Babys sind immer etwas Besonderes, jedes einzelne Individuum, egal ob Einling, Zwilling, Drilling oder Noch-Mehrling. Und sie sind auch nicht künstlich, sind nicht aus Plastik – also ja, sie sind NATÜRLICH. Wer solche Fragen stellt, sollte sich bewusst sein, dass Paare, die zu unterstützenden Massnahmen gegriffen haben, meist einen langen Leidensweg hinter sich haben, bis sich ihr Kinderwunsch erfüllt hat. Diesen Weg wählt kein Paar einfach mal so aus Spass. Daher bitte etwas mehr Respekt bei der Frage nach der „Natürlichkeit“ der Kinder. Ansonsten könnte man ja mal zurückfragen: „…und wie läuft’s bei Ihnen denn so im Bett?“ Das wäre in etwa ähnlich diskret.
*

Frage: „Alles Jungs?“
Antwort: „Nein, alles Mädchen.“
(Gedachte Antwort: „Ja klar, alles Jungs, nur weil sie nicht von Kopf bis Fuss pink tragen und mit Hello Kitty- und Eisprinzessinnen-Motiven übersät sind. Abgesehen davon tragen sie nebst der blauen Jacke rosa Hosen, aber egal! Alles Jungs!“)

Frage: „Oh je, der arme Vater.“
Antwort von Papa: „Nein nein, das ist nicht schlimm, ich spiele eh nicht gern Fussball.“
Antwort von Mama: „Ja und unser Hund ist auch noch ein Weibchen!“
(Gedachte Antwort: „Bla bla bla…so jetzt möchte ich mal langsam weiter gehen, brauche einen Kaffeeeee! “)

Frage: „Tja, alle auf einen Schlag, dann sind Sie jetzt auch durch mit der Familienplanung!“
Antwort: „Ähm, ja ja…“
(Gedachte Antwort: „…Kaffeeeee, brauche Koffein!“

Frage: „Schlafen Sie da denn noch? Die schlafen ja nicht alle gleichzeitig oder?“
Antwort: „Doch doch, die kriegt man schon einigermassen in einen Rhythmus. Geht ganz gut.“
(Gedachte Antwort: „Trotzdem bin ich müde, möchte schlaaafen….Kaffeeeee!“

“So, wir müssen jetzt mal weiter. Einen schönen Tag noch.“
Tempo und auf geht’s zum nächsten Café.

Drillinge wirken auf die Umwelt einfach faszinierend, das ist verständlich. Das Besondere erregt nun mal Aufmerksamkeit. Die Vorstellungskraft wird aktiv, Bilder und Fantasien werden geweckt. Fragen über Fragen folgen.
Was für andere Menschen besonders ist, ist für mich als Drillingsmutter normal. Und NORMAL ist GUT, ist WUNDERBAR.

Zur Normalität gehören aber auch anstrengende Tage, Schlafmangel und nicht immer Lust zu haben, jedem das ganze Leben zu erklären. Also, bitte nicht böse sein, wenn Drillingsmamas mal keine Lust auf Small Talk haben, denn das Promi-Leben kann ganz schön anstrengend sein.
Danke an dieser Stelle aber auch, für all die lieben und herzerwärmenden Reaktionen und Gesten, die manchmal völlig unerwartet kommen und einem den Tag versüssen.


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